Ich sitze an der Elbe, ein winziges gerade einmal 159-Seiten-umfassendes Taschenbuch dient mir als Schreibunterlage und der Wind peitscht teilweise doch recht eisige Böhen um meinen optimistisch textilarm bekleideten Körper.

Soviel zu meiner Verteidigung. Nicht, dass ich mich verteidigen müsste, wer schreibt heutzutage überhaupt noch Briefe, den man nicht direkt als politisch suspekt, sozial vereinsamt oder emotional gebrandmarkt bezeichnen will. Also bitteschön: Schublade auf, Briefeschreiber rein, Schublade zu. Vor ein paar Tagen habe ich es dennoch gewagt, einen Brief zu schreiben. Mit der Hand! Ja, ich gehöre noch zu jener Generation, die Briefe bekommen und geschrieben haben. Ich besitze Unmengen von Briefen. Kistenweise. Selbst wenn ich mich nicht traue, sie heraus zu holen, um zu erforschen, welcher Wahnsinn mich geritten hatte und welcher Dämon damals meine Handschrift lenkte.

Wie dem auch sei. Locker einen Brief zu schreiben, sollte sich kurzerhand als durchaus ambitioniertes Projekt herausstellen. Ebenso hätte ich mir vornehmen können, ein Auto zu reparieren, deutsche Krimis spannend zu finden, zum Mond zu fliegen oder die europäische Finanzpolitik zu verstehen. Nicht, dass ich das nicht versucht hätte. Read More